Revistes Catalanes amb Accés Obert (RACO)

Der Leichnam des Princeps zwischen Consecratio und Damnatio

Christiane Kunst

Resumen


Der Aufsatz verfolgt die Wandlungen der Memorialkultur der romischen Kaiserzeit von 44 v.Chr. bis 337 n.Chr. Seit Augustus bekraftigten und legitimierten die romischen Kaiser ihren Anspruch auf die Herrschaft indem sie das Andenken (memoria) ihres Vorgangers entweder bestatigten und ehrten (also eine Divinisierung vollziehen liesen) oder verdammten (damnatio). Im Rahmen dieses Prozesses mus die biopolitische Komponente, die Kontrolle uber den Leib des verstorbenen Vorgangers, besonders herausgestellt werden. Da die kaiserlichen Begrabnisse einen der ersten offentlichen Auftritte der Nachfolger darstellten, waren sie von hochster Wichtigkeit. Traian fuhrte Veranderungen im Begrabnisritual ein, indem er funus publicum und consecratio zugleich durchfuhrte. Der neue Kaiser – und nur er – war fur diesen doppelten Staatsakt verantwortlich, und profitierte legitimatorisch davon. Im Fall geachteter Kaiser war der Leib/ Korper von nachrangiger Bedeutung, sieht man von vereinzelt vollzogenen entehrenden posthumen Bestrafungen ab. Allerdings bestand die Moglichkeit, einen der damnatio unterworfenen Kaiser nachtraglich doch noch zu divinisieren (z.B. nach einem weiteren Herrscherwechsel), den Prozess der damnatio also umzukehren. Der divinisierte Kaiser dagegen war fortan jeglicher Kritik enthoben.

Texto completo: PDF (Català)